Paris Fashion Week
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Pariser Modewoche FW26: Zwischen Wiederholung und Kult-Silhouetten

Diese Saison der Paris Fashion Week fühlte sich wie zwischen zwei Kräften angespannt an: Nostalgie für bereits kanonisierte Epochen und der stille Pragmatismus der kommerziellen Mode. Die meisten Häuser versuchen nicht, eine neue Sprache zu erfinden. Stattdessen verfeinern sie ihre Codes, polieren vertraute Ideen so lange, bis sie einen Zustand absoluter Klarheit erreichen.

Manche Shows entfalteten sich wie sorgfältig inszenierte Spektakel, andere setzten auf obsessive Detailverliebtheit. Doch durchgehend war eine Strategie erkennbar: Weniger Risiko, mehr Kontrolle über die Ästhetik.

Die neue FW26-Kollektion von Saint Laurent bietet wenig in puncto Revolution – und genau darin liegt ihre Stärke. Die Bundlinie wurde diese Saison noch weiter nach unten gesetzt, auch bei Pelzmänteln. Darüber hinaus perfektioniert die Marke weiterhin ihre charakteristische Formel: messerscharfe Schneiderkunst, von Lingerie inspirierte Silhouetten und eine stille, aber unverkennbare Sinnlichkeit.

Es ist eine intensiv verführerische Kollektion, die über Atmosphäre wirkt – nicht über Neuheiten. An einer Saint Laurent Show ist etwas fast Hypnotisches. Selbst wenn die Ideen von Saison zu Saison weitgehend unverändert bleiben, verblasst niemals der Wunsch, Teil dieser Ästhetik zu sein.

Die neueste Kollektion von Acne Studios wirkt wie eine Collage zeitgenössischer Mode-Referenzen. Anklänge an Miu Miu treten alongside Echoes von Jonathan Anderson und seiner Arbeit bei Loewe auf. Dekonstruktion trifft auf Business-Mode und schafft eine absichtlich hybride Ästhetik.

Anstatt einer starren DNA folgt die Marke einer anderen Strategie: die stärksten Ideen der Saison zu einer zugänglichen Garderobe zu verschmelzen. Kombiniert mit etwas zugänglicheren Preisen erklärt das, warum Acne Studios weiterhin bei Modekennerinnen und -kennern Anklang findet.

Die neue Kollektion von Tom Ford evoziert eine filmische Erzählung. Man stellt sich ein Paar vor, das in einem großzügigen Haus mit Ledercube-Sofas, Panoramafenstern und Schwarzweißfotografien lebt. Ihre Verbindung basiert nicht auf Liebe, sondern auf einem stillen, fast eisigen Verlangen.

Viele Looks beziehen sich subtil auf die Ära, in der Tom Ford selbst Gucci neu gestaltete – besonders in den scharf geschnittenen Anzügen und den messerscharfen Gürteln. Nichts Revolutionäres, aber unbestreitbar elegant.

Für Alaïa markierte diese Saison das Schlusskapitel von Pieter Mulier. Die Kollektion blieb seinem ästhetischen Ansatz treu: skulpturale Kleider, intellektuelle Sinnlichkeit und eine reichhaltige Palette gesättigter Farben. Muliers Markenzeichen liegt in seiner Meisterschaft der Silhouette, und dieses Finale blieb seiner Vision treu. Überraschungen gab es keine – nur Schönheit. Nun wartet die Branche gespannt darauf, wer das Haus künftig führen wird und wie Mulier die Zukunft von Versace prägen wird.

Die FW26-Kollektion von Schiaparelli setzt ihre Erforschung der Grenze zwischen Mensch und Tier fort. Die skulpturalen Looks sind besonders eindrucksvoll, mit Silhouetten, die den menschlichen Körper fast anatomisch hervorheben. Für Ready-to-Wear bleibt eine solch komplexe Konstruktion selten. Einige Silhouetten erinnern an vergangene Saisons, doch werden sie mit solcher Präzision umgesetzt, dass die Wiederholungen kaum auffallen.

Die neue Saison bei Mugler schlägt eine andere Form von Sinnlichkeit vor. Kreativdirektor Casey Cadwallader fokussiert auf skulpturale Silhouetten und eine zurückhaltende Art rebellischen Minimalismus. Die Farbpalette greift gelegentlich die Extravaganz auf, die man mit Versace assoziiert.

Während das theatralische Spektakel, das Mugler historisch verbindet, an Schärfe verloren hat, wirkt die Kollektion sorgfältig konstruiert und strategisch auf kommerziellen Erfolg ausgerichtet.

Der Einfluss von Demna Gvasalia auf Balenciaga ist unbestreitbar. Er verwandelte das Haus in ein kulturelles Phänomen und prägte das öffentliche Bild neu.

Doch eine derart prägende Ära wirft zwangsläufig einen langen Schatten. Ohne Theatralik und Provokation, die einst die Marke ausmachten, drohen neue Kollektionen, im Hintergrund zu verblassen. Die FW26-Kollektion beinhaltet starke Outerwear- und Lederteile, inspiriert vom strukturellen Erbe Cristóbal Balenciagas. Dennoch scheint der magnetische Zug der Marke ohne Hype oder Kontroversen nachzulassen.

Die neueste Kollektion von Chanel unter der Leitung von Matthieu Blazy experimentiert mit den ikonischen Codes des Hauses. Tweed-Anzüge tauchen reichlich auf, manchmal bis an die Grenze zur übertriebenen Nostalgie. Die Lingerie-Ästhetik wird auf bewusst komplexe Weise erforscht. Doch die Kollektion findet nach und nach ihren Rhythmus durch voluminöse rote Kleider, elegante Meerjungfrau-Silhouetten und wunderschön gearbeiteten weißen Tweed.

Es gibt auch eine ungewöhnliche Interpretation des Prep-Stylings, bei der verlängerte Oberteile auf verkürzte Unterteile treffen – fast als Echo der Miniröcke von Miu Miu. Für den Moment fühlt sich die Kollektion eher wie eine Phase des Experimentierens als eine klare Evolution an.

Und schließlich Miu Miu. Es gibt eine einfache Regel in der Mode: Wenn mehr über das Bühnenbild und die prominenten Gäste gesprochen wird als über die Kleidung selbst, ist die Kollektion vielleicht nicht besonders bahnbrechend.

Die Looks wirken vertraut – etwas, das wir bereits bei Miu Miu und Prada gesehen haben. Doch der kommerzielle Erfolg scheint fast garantiert. Das Styling ist klarer, zugänglicher und perfekt auf die Zielgruppe der Marke abgestimmt. Für das Miu Miu-Girl ist das mehr als genug.

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