Chloé Turns Its New Campaign
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Chloé macht aus seiner neuen Kampagne einen Spaziergang durch die Kunstgeschichte

In Chloés neuer Kampagne von Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin fügt sich alles erstaunlich stimmig zusammen. Vielleicht liegt es an der gemeinsamen Wirkung von Raquel Zimmermann, bohohaften Kleidern und Wildblumen – einer Kombination, die sich kaum in einem einzigen Bild festhalten lässt, ohne dabei etwas Schönes zu erzeugen. Oder vielleicht auch daran, dass die Fotografen nicht versucht haben, die Gemälde mechanisch nachzustellen. Stattdessen übernahmen sie ihre Atmosphäre, Farbigkeit und kompositorische Logik und filterten sie durch die Sprache des modernen Chloé.

Die Kampagne ist der Chloé Winter 2026-Kollektion gewidmet, die unter der kreativen Leitung von Chemena Kamali entstanden ist. Fotografiert wurde in wilden Küstenlandschaften, wo sich das Licht ständig verändert und der Wind durch das Haar der Models, das Gras und die langen Kleider fährt. Raquel Zimmermann, Jacqui Louise, Thalita Ferreira und Sarah Isaksen sind in der Kampagne zu sehen. Das Haus selbst beschreibt die Bilder mit den Begriffen Freiheit, Menschlichkeit, Intimität und Verbundenheit mit der Natur.

Das erste Bild erinnert deutlich an die Komposition von Joaquín Sorollas Gemälde Promenade by the Lighthouse in Biarritz aus dem Jahr 1906. Im Original stehen Frauen an einem Hang über dem Meer; ihre hellen Kleider und Hüte lösen sich fast im kräftigen Küstenwind auf. Chloés Version macht die Szene heller und etwas wilder. Die weißen Gewänder werden durch sattes Rot, Grün und Blau ersetzt, und aus der stillen Promenade wird ein Treffen von vier Frauen mitten in einer blühenden Wiese.

Die Ähnlichkeit beschränkt sich nicht nur auf die Anordnung der Figuren. In beiden Werken zählen Silhouetten, Wind und das Gefühl, am Rand des Landes zu stehen, mehr als die Gesichter der Frauen. Inez und Vinoodh bewahren die Leichtigkeit von Sorollas Gemälde und ergänzen sie zugleich um Dichte, Farbe und jene bohemische Sinnlichkeit, die für Kamalis Chloé so prägend geworden ist.

Die zweite Referenz ist Claude Monets Springtime von 1872. Das Gemälde zeigt eine Frau in einem zartrosa Kleid, die unter einem Baum liest, während sich der Stoff wie ein Lichtteppich über das Gras ausbreitet. In der Kampagne nimmt ein Model in einem weißen Chloé-Kleid eine ähnliche Pose ein. Gelbe Wildblumen umgeben sie, während die Tasche auf ihrem Schoß die Szene sofort aus dem 19. Jahrhundert in die Gegenwart der Mode-Werbung holt.

Dieses Bild erklärt am besten, warum die Kampagne nicht wie eine billige Rekonstruktion wirkt. Die Fotografen kopieren Monets Farbpalette nicht und versuchen auch nicht, das Model in die Heldin eines impressionistischen Gemäldes zu verwandeln. Sie bewahren nur das Gefühl: Stille, weiches Licht, Einsamkeit im Grünen und das Empfinden eines langen Sommermoments – obwohl es sich technisch gesehen um eine Winterkollektion handelt.

Die dritte Gegenüberstellung orientiert sich an John Roddam Spencer Stanhopeʼs Gemälde Thoughts of the Past aus dem Jahr 1860. Eine junge Frau liegt im Gras, umgeben von verstreuten Äpfeln und Blumen, während die gesamte Szene zwischen Schlaf, Erschöpfung und einem fast märchenhaften Trancezustand zu schweben scheint. Die Bedeutung des Werks bleibt offen, und seine Bildsprache wird oft mit der Präraffaeliten-Faszination für satte Landschaften, symbolische Details und komplexe weibliche Figuren verbunden.

In Chloés Version liegt das Model ebenfalls mit geschlossenen Augen im hohen Gras. Ihre helle Bluse, das lange Haar, die Blumen und die dunklen Lederdetails spiegeln den Rhythmus des Gemäldes wider, ohne seine Erzählung zu wiederholen. Sie erscheint nicht als verletzliche Heldin aus einer viktorianischen Geschichte, sondern als jemand, der sich nach einem langen Spaziergang einfach ins Gras sinken lässt.

Die gesamte Kampagne bewegt sich genau auf dieser Grenze. Ihre Referenzen sind erkennbar, doch sie wird nie zu einem Kunst-Geschichts-Quiz. Die Gemälde liefern den kompositorischen Rahmen, während die Kleidung, die Bewegung und die Frauen selbst im Mittelpunkt bleiben.

Seit mehreren Saisons führt Chemena Kamali Chloé zurück zu dem Bild einer freien, leicht zerzausten und intensiv lebendigen Frau. Sie trägt transparente Blusen, schwere Stiefel, Spitze und Kleider, die Wind und Raum um sich brauchen. Genau deshalb wirken die malerischen Referenzen hier so natürlich. Die romantischen Frauen von Sorolla, Monet und Stanhope scheinen in dieselbe Landschaft eingetreten zu sein, haben ihre Korsetts gegen weiche Boho-Silhouetten getauscht und sind schließlich dorthin gegangen, wohin sie wollten.

Auch der Raquel-Zimmermann-Effekt ist sehr real. Sie war bereits zuvor in Chloé-Kampagnen zu sehen und gehört weiterhin zu jenen Models, die selbst das dekorativste Bild glaubwürdig wirken lassen. Neben ihr sieht ein rotes Rüschenkleid auf einer Blumenwiese nicht aus wie ein Kostüm aus einer pastoralen Inszenierung. Es wirkt vielmehr wie etwas, das man ganz natürlich tragen könnte, wenn man über dem Ozean spazieren geht.

Vielleicht ist das der Grund, warum sich das Zitieren dieses Mal nicht störend anfühlt. Inez und Vinoodh verwenden Kunst nicht als hübsche Tapete für eine Werbung. Sie schaffen einen Dialog zwischen Malerei und Chloé und lassen beiden genügend Raum. Die Referenzen bleiben sichtbar, aber die Kampagne versteckt sich nicht hinter ihnen. Sie hat ihren eigenen Rhythmus, ihre eigene Farbigkeit und genau jene romantische Freiheit, die uns noch einmal auf Boho-Kleider zwischen Wildblumen blicken lässt und denken lässt: Ja, diesmal funktioniert es wirklich.

 

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